Grasmilben

Weibliche Grasmilbe in fünfzig facher Vergrößerung

Ein weibliche Grasmilbe fünfzigfach vergrößert unter dem Mikroskop. Bildquelle: © Morphart / Fotolia.com

Grasmilben (oder auch Herbstmilben; Neotrombicula autumnalis) sind in Europa weit verbreitet und häufige Parasiten für Mensch und Tier. Die Larven der Grasmilben ernähren sich von Hautpartikeln ihrer Wirte und verursachen bei ihnen länger anhaltende, stark juckende Quaddeln und Hautrötungen, die auch als Erntekrätze oder Trombidiose bekannt sind. Ihre Verbreitung in Europa variiert sehr stark, so dass sie mancherorts in Süddeutschland zu einer echten Plage für Gärtner, Wanderer und ihre Haustiere werden können.

 
 
 

Grasmilben auf einen Blick
  • Aussehen: Ausgewachsene Grasmilben sind etwa 2 mm groß, rot gefärbt und beborstet. Grasmilbenlarven können auf der Haut gefunden werden und sind nur 0,2 mm groß und blassgelb bis orangerot gefärbt.
  • Schadwirkungen: Die Larven der Grasmilben stechen in die Hornhaut von Mensch und Tier und verursachen die Erntekrätze. Symptome sind stark juckende und brennende Hautrötungen sowie Quaddelbildung und können bis zu zwei Wochen anhalten.
  • Gegenmittel: Präventive Gartenpflege, Repellents für Menschen, Ergänzungsfuttermittel und Shampoo für Hunde.

Aussehen und Verbreitung von Grasmilben

trombicula autumnalis - ausgewachsene Grasmilbe

Eine Grasmilbe stark vergrößert unter dem Mikroskop. Grasmilben sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen und man kann einen Befall erst durch die auftretenden Symptome feststellen.
Bildquelle: Trombicula-autumnalis-adult-mite by Alan R Walker CC BY-SA 4.0

Grasmilben werden von Biologen zu der Familie der Laufmilben (Trombiculidae) innerhalb der Klasse der Spinnentiere (Arachnida) gezählt. Für die kleinen Parasiten gibt es einige Synonyme (Herbstmilben, Heumilben, Grasläuse, Pfirsischläuse etc.), die aber alle ein und die selbe Art umschreiben: Die in Europa am weitesten verbreitete Laufmilben-Art Neotrombicula autumnalis. Da es sich um eine Milbe handelt und nicht um eine Laus, sind die Trivialnamen teilweise irreführend. Die ausgewachsene Grasmilbe ist in etwa 2 mm groß, stark rot gefärbt und besitzt acht kurze, mit Borsten versehene Beine. Der Körper ist relativ breit und dicht beborstet.
Sie selber sind jedoch keine Gefahr für Mensch und Tier, sondern ihre Larven. Grasmilbenlarven sind blassgelb bis orangerot gefärbt, werden lediglich 0,2 bis 0,3 mm groß und sind damit mit dem bloßen Auge schwer erkennbar. Auch besitzen sie im Gegensatz zu den ausgewachsenen Milben nur sechs statt acht Beine. Ihr Körperbau ist breit oval und nach hinten abgeflacht und mit vielen Tast- und Sinneshaaren ausgestattet. Sie besitzen kräftige Kieferklauen (so genannte Cheliceren) mit deren Hilfe sie Wunden in die obersten Hautschichten ihrer Wirte beißen können.
Die geographische Verbreitung der Grasmilben reicht von Westeuropa bis Ostasien. In Mitteleuropa sind sie herdartig in weiten Bereichen zu finden und treten vor allem in den Sommermonaten von Juli bis Ende Oktober auf. In Deutschland sind die Milben vor allem im Rhein-Main-Gebiet, in Baden-Württemberg sowie im Großraum München in vielen kleinen Arealen verbreitet. Grasmilben bevorzugen niedrige Vegetation und sind deshalb oft in Grünanlagen sowie auf Waldwiesen zu finden. Auch auf Terrassen und in gemulchten Beeten fühlen sich die Parasiten sehr wohl. So häufen sich seit einiger Zeit auch Berichte von Grasmilbenfällen in Hausgärten, vor allem am Stadtrand.

Lebenszyklus der Grasmilben

Die ausgewachsenen Grasmilben leben im Winter unterirdisch in Bodentiefen bis zu einem Meter und können dort ohne Probleme Kälte und Frost überstehen. Sobald die Temperaturen im Frühjahr steigen, werden die Spinnentiere wieder aktiver, begeben sich an die Erdoberfläche und paaren sich. Die Eiablage erfolgt am Boden in Pflanzennähe. Nach etwa vier Wochen (in Deutschland meist ab Anfang Juli) schlüpfen aus den Eiern die sehr kleinen Milbenlarven. Bei sonnigem und warmen Wetter im Sommer wandern die Grasmilbenlarven dann an die oberen Spitzen von Grashalmen oder Moospolstern in Höhen von etwa 5 bis 20 cm. Dort können sie stundenlang ausharren und auf potentielle Wirte, vorwiegend Säugetiere, warten. Bei Berührung mit Mensch oder Tier lassen sich die Larven von diesen abstreifen. Sind die Parasiten erstmal auf der Haut ihrer Wirte angekommen, suchen sie in der Regel dünnhäutige und feuchte Bereiche auf. Mit ihren starken und groß ausgeprägten Mundwerkzeugen bohren sie sich in die obersten Hautschichten ihrer Wirte und entlassen einen zellauflösenden Speichel in die Wunden, so dass sie sich dann von diesem Gemisch aus Speichel und Zellsaft ernähren können. Beim Menschen und bei den meisten Haustieren gelangen die Grasmilbenlarven dabei aber nicht bis zu den Blut- oder Lymphgefäßen, sondern beschädigen lediglich die obersten Hautschichten. Die Larven saugen sich solange voll bis sie etwa ihre doppelte Größe erreicht haben (dies kann schon in wenigen Stunden passieren), dann lassen sie sich satt von der Haut wieder auf den Boden fallen. Dort kommt es dann zu diversen Häutungen und Ruhephasen über mehrere Wochen, bei denen sich die Grasmilbenlarven zuerst zu Nymphen (insgesamt drei verschiedene Stadien) weiterentwickeln. Diese gleichen den ausgewachsenen Grasmilben, also haben wieder acht Beine und einen ähnlichen Körperbau, sind jedoch etwas kleiner. Nach einer letzten Ruhephase sind die Grasmilben ausgewachsen (so genannte adulte Imagines) und geschlechtsreif. Weder die Nymphen noch die voll entwickelten Grasmilben sind Parasiten für Mensch und Tier; sie ernähren sich vorwiegend von Pflanzen und anderen Insekten. Sie leben beide in Bodennähe. Sobald die Temperaturen im Herbst wieder unter 10 °C sinken, werden die Grasmilben inaktiver und suchen sich tiefere Stellen im Erdreich, wo sie wieder auf den Frühling warten.

Schadwirkung der Grasmilben
  • Symptome der Erntekrätze sind: Starker Juckreiz, gehäufte Hautrötungen, Quaddelbildung
  • Beschwerden treten spätestens nach 24 Stunden an den Einstichstellen auf und können bis zu 14 Tagen anhalten
  • Häufig befallene Stellen beim Menschen: Knöchel, Kniekehlen, Schritt, Achselhöhlen, Hals.
  • Häufig befallene Stellen bei Haustieren: Pfoten, Hals, Ohren, Schwanzwurzel.

Schadwirkung und Symptome bei Grasmilbenbefall

Symptome rote Einstiche auf Hautvon Grasmilben

Typische Symptome nach einem Grasmilbenbefall sind die kleinen roten Einstichpunkte an Stellen mit besonders dünner Haut.

Die Larven der Grasmilben lösen bei Mensch und Tier die Erntekrätze (auch Heukrätze oder auch Herbstbeiß genannt) aus. Erste Symptome treten in der Regel erst wenige bis maximal 24 Stunden nach dem Abfallen der Milbenlarven auf. So kommt es an den Einstichstellen auf der Haut zu sehr heftigem brennenden Juckreiz in Verbindung mit Hautrötungen und Quaddelbildung, für die der Speichel der Larven verantwortlich ist. Die Hautreaktionen werden auch Trombidiose genannt und können unterschiedlich ausfallen. Oftmals entstehen an den Einstichstellen zunächst kleine, rote Knötchen. Mit der Lupe kann man eventuell noch eine verbleibende Grasmilbenlarve als zentralen , roten Punkt inmitten der Knötchen ausmachen. Im weiteren Verlauf schwillen diese Knötchen an und bilden Bläschen. Das Aufkratzen dieser kann zu einer weiteren Entzündung und Infektion führen. Die Beschwerden halten bis zu 14 Tage an.

Beim Menschen sind vor allem die dünnen Hautpartien rund um den Knöchel, in den Kniekehlen, an der Lende und im Schritt, in den Achselhöhlen sowie am Hals betroffen. Auch Hautfalten bieten den Larven Schutz und werden deshalb aufgesucht. Weiterhin sind häufig die Hautstellen betroffen, an denen die Kleidung eng anliegt (bspw. das Gummiband bei Unterwäsche).

Bei Haustieren zeigen sich die Symptome der Einstiche zumeist an den Pfoten, am Hals, an den Ohren und an der Schwanzwurzel.

 
Grasmilben in Europa übertragen keine Krankheiten und führen neben den aufgeführten Symptomen zu keinen ernsthaften Komplikationen beim Wirt. Sie sind vielmehr als lästig einzustufen, können allerdings für so manchen naturbegeisterten Menschen zur Plage werden. Da die meisten Beschwerden erst eintreten, wenn die Übeltäter ihren Wirt bereits verlassen haben, haben Grasmilbenstiche für viele Menschen auch etwas Rätselhaftes.